Besser spät als nie – und wenn, dann gründich! Das dachten nicht nur wir mit unserem Bericht, sondern auch viele Metalheads die sich so sehnsüchtig auf die Wiederkehr des SUMMER BREEZE Open Air in Dinkelsbühl gefreut haben. Das 25-jährige Jubiläum mit einer Vielzahl an Bands, grandioser Stimmung, viel Staub und Regen und einfach einem wahnsinnigen Gefühl der Heimkehr, vereinte sich zu einem unvergessenem Festival.

Dienstag, 16.08.2022

Beginnen wir am Anfang: Das SUMMER BREEZE startete für mich am Dienstag. Wie die meisten anderen Camper, nahm ich das Angebot der frühen Anreise gerne in Anspruch. Natürlich auch, weil das Programm im Jubiläumsjahr bereits am Dienstagnachmittag startete. Unter dem Slogan „The Roots of Summer Breeze“, gab es wie angekündigt ein Sonderprogramm, das die Anfänge des Festivals Revue passieren ließ. Bands aus den frühen Jahren ließen das Publikum in alten Erinnerungen schwelgen und die Jüngeren unter uns ließen sich einfach von dem Gefühl und der Stimmung mitreißen.

Die Anreise verlief soweit problemlos. Bei der Bändchenausgabe wurden fleißig Müllsäcke zur Mülltrennung verteilt, aber dazu später Weiteres. Nur im Bereich des Greencamping entstand einiger Unmut, da die Campgrounds, anders als die Jahre zuvor, vom entferntesten Greencamping Areal nach vorne aufgefüllt wurden. Das führte dazu, dass Frühaufsteher, oder sogar „Schleusenpartygänger“, anders als erhofft, einen besonders weiten Weg zum Festivalgelände zurücklegen durften. Aber als die ersten Bierchen mit den neuen Nachbarn getrunken und neue Freundschaften entstanden, legte sich der Unmut und die wenigen Extraminuten wurden gerne gemeinsam beschritten.

Impression vom Campground

Nachdem die meisten Festivalbesucher ihr Camp errichtet hatten, die ersten Grills angeschmissen und die Sonnenmilchschlacht glorreich gekämpft wurde, traf man sich bei 28 Grad, frisch eingestaubt, vor der Ficken Party Stage. Hier warteten bereits einige Essenstände und natürlich reichlich kaltes Bier und Cocktails, um die vor Vorfreude glühenden Metalheads abzukühlen.

Den Start machte VODOO KISS. Achim Ostertag, Gründer des SBOA, an den Drums mit gesanglicher Unterstützung von Stefanie Stuber. Die eigens für dieses Event wiederbelebte Gruppierung legte mit viel Charme und einem romantischen Heiratsantrag den Grundstein für einen grandiosen Abend. Es war schon reichlich was los vor der Bühne und die ersten Crowdsurfer machten sich bereits auf den Weg. Ich entschied mich erst ein wenig über den Campground zu spazieren und diese ausgelassene Stimmung in mich aufzusaugen. Und da war es wieder – das Gefühl von nach Hause kommen, dass das SBOA für mich genauso spannend macht, wie die 130 Bands die in den kommenden Tagen noch folgen sollten. Manche waren noch fleißig am Aufbauen, Andere feierten bereits was das Zeug hält. Doch eins hatten alle gemeinsam – ich wurde freundlich und offen empfangen und viele Male auf ein Bier eingeladen. Besonders unvergessen war das Camp, mit einem besonders feurigen Erlebnis, das einem eigens gebrauten Chilli-Schnaps versprach. Das Resultat ihrer Überzeugungskünste war ein Foto meiner Begleitung auf der sogenannten „Wall of Pain“. Nach zwei Gläsern Milch und drei Scheiben Toast ging es weiter. Zum Glück konnte ich der Tortur entgehen und war so klug dankend abzulehnen. Solltet ihr Jungs und Mädels nächstes Jahr auf dem Campground entdecken – lauft!

END OF GREEN

Die erste für mich richtig interessante Band, war auch die letzte des Abends. Nicht AMON AMARTH, wie zwischendurch selbst behauptet, lieferten END OF GREEN einen75 Minuten beruhigenden und zugleich ekstatischen Auftritt ab. Die Crowdsurfer waren, wie das gesamte Publikum, nicht mehr zu halten, was zu einem kurzzeitigen Engpass beim Grabenpersonal führte. Dank einiger spontaner Helfer, konnte der Ansturm allerdings gerade so bewältigt werden, bis weitere Unterstützung eintraf. Die Band gab sich nach dem Konzert gewohnt publikumsnah und hielt noch das ein oder andere Schwätzchen mit den Fans.

Quasi ineinander über ging die Party dann mit dem nächsten Act weiter. Bereits bei der Überbrückungsmusik feierte die Menge ungebremst bis tief in die Nacht.

Open Air Dsco

Mittwoch, 17.08.2022

Ich wachte auf und hatte schon meinen ersten Saunagang hinter mir. Ich überlegte kurz eine Bierdose zu öffnen und einen Bieraufguss zu genießen – heiß genug war es!

Die Tore zum Infield öffneten am Mittag um 13:30 Uhr, also blieb etwas Zeit durch die Gegend zu schlendern und sich einen Plan für den Tag zurechtzulegen. Das erste, zum Glück kühle Bier, ging bei den Temperaturen besonders gut runter. Ich positionierte mich im Infield, um dem ersten Ansturm der Eröffnung beizuwohnen. Aber dann leider eher gemäßigte Stimmung und ein sich nur sehr langsam füllendes Infield. Die wenigen Stürmenden waren diejenigen, die sich einen guten Platz am Merchandise Stand sichern wollten. Dieser war bereits dienstags schon so voll, dass eine mehrstündige Wartezeit in Kauf genommen werden musste. Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Ich wischte mir also die Braveheart-Kriegsbemalung aus dem Gesicht und trottete in Richtung T-Stage.

Vorbereitet für den Sturm aufs Infield

Eröffnet wird das Festival, wie immer, von den Illenschwanger Blasmusikern. Der eine oder andere textsichere Metaller, grölt schunkelnd Lieder mit, die anderen machen sich mit einer großen Polonaise auf den Weg. Gefeiert werden sie von Allen. Wie immer eine traditionsreiche Eröffnung.

Sitz Pit und Blasmusik

Für mich ging es anschließend erst einmal zum Stöbern auf den Metalmarkt. Neben den zahlreichen CD-, Merch-, Schmuck- und Bekleidungsständen, konnte man auch für ein paar Taler seine Kräfte beim “Hau den Lukas“, oder seine Geschicklichkeit beim “Bogenschießen“, unter Beweis stellen. Da ich als Kind nicht in den Zaubertranktopf gefallen bin, erschrak leider keiner der umherlaufenden ehrfürchtig vor meinen übermenschlichen Kräften. Dennoch ein großer Spaß!

Nach der zweiten Dusche an diesem Tag, machte ich mich am Abend auf den Weg zur Mainstage, um mir EISBRECHER anzusehen. Selbst ich, die EISBRECHER maximal gelegentlich in dem ein oder anderen Club hört, konnte sich der Stimmung des Männertrupps nicht entziehen. Mit bekannten Songs, wie z.B. „Eiszeit“, „Himmel“ oder „Sturmfahrt“, heizte Sänger Alex dem Publikum ordentlich ein. Ganz bis zum Schluss konnte ich jedoch leider nicht bleiben, da um 21:50 Uhr PARADISE LOST auf der T-Stage spielte. Etwas verspätet kam ich also bei PARADISE LOST an. Deutlich weniger Show, ok eher gar keine Show und nur kurze Ansagen, aber dafür ein mit tollem Set und gutem Sound, fühlte ich mich dennoch nicht schlechter unterhalten und bereute den Wechsel keineswegs.

EISBRECHER-Sänger Alex beim Baden

Erschöpft vom langen Tag entschied ich mich kurzerhand mir KORPIKLAANI vom Zelt aus anzuhören. Sicher wäre ich auf dem Rückweg auch dort hängen geblieben, aber die langen Umbauphasen verhinderten dies. Genaue Informationen, aus welchem Grund die Drehbühne dieses Jahr nicht zum Einsatz kam, hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Bei gutem Wetter ließen sich die Zeiten auch gewinnbringend mit Bier oder anderen Köstlichkeiten überbrücken. Doch da dies wettertechnisch ein Festival der Extreme war, konnten die langen Umbauphasen einen schon mal zum Gehen bewegen. Bleibt nur zu hoffen, dass im nächsten Jahr wieder eine zufriedenstellende Lösung geben wird.

KORPIKLAANI

Donnerstag, 18.08.2022

Nachdem sich die Temperaturen, aufgrund des nächtlichen Regens, am Morgen deutlich abgekühlt hatten, konnte endlich mal etwas schlaf nachgeholt werden. Nach langsamen in die Gänge kommen – die Sahara Bayerns hat mich etwas mürbe gemacht – und einem kleinen Frühstück, ging es für mich bereits Richtung Infield. Nach einer kurzen Schlenderei, vorbei an der immer noch überirdisch langen Merchandise-Schlange, in Richtung Main Stage. Dort spielte um 12.55 Uhr DARKEST HOUR, eine US-amerikanische Metalcore Band. Der etwas dürftige Sound und das eher rar gesäte Publikum, machten DARKEST HOUR für mich zu einem guten Einstieg in den Tag, mit Steigerungspotential. Die Band lieferte eine gute Show, mit überwiegend Songs aus dem Album „Deliver us“, welches dieses Jahr sein 15-jähriges Jubiläum feiert. Nach DARKEST HOUR wurde es dann auch Zeit für das erste Bier des Tages, also auf zum Bierstand. Endlich einen der ARCH ENEMY Sonderedition Becher in der Hand, schmeckt es doch gleich noch besser. Eher beiläufig, bei einem anregenden Gespräch, registrierte ich GHOSTKID, die gerade zu spielen begannen. Die Band, um den ehemaligen ELECTRIC CALLBOY Sänger ist auch einfach ein Blickfang. Ihre auffallend dunkel gehaltenen Outfits und die ebenso düstere Gesichtsbemalung gefielen meiner dunklen Seele auf Anhieb. Das eher junge Publikum feierte den ersten SUMMER BREEZE Auftritt der Band gebührend.

DARKEST HOUR

Von schwarz zu weiß – GUTALAX! Warum geht man zu GUTALAX? Diese Frage stellen sich die meisten Grindcore-Anhänger vermutlich nicht, doch ich fragte mich das kurz, nachdem die ersten Klänge aus den Boxen dröhnten. Auf dem Weg zur T-Stage, umzingelt von Klobürsten, staunte ich nicht schlecht über den fast grell wirkenden Gesamteindruck der Bühne. Weiße Maleranzüge, Gasmasken und jede Menge Klopapierrollen … ah ja! Was mich im ersten Augenblick vielleicht kurz schmunzeln ließ, verlor für mich schnell an Witz, aber die riesige Fangemeinde feierte den Auftritt, als wenn es keinen Morgen gäbe. Die verrücktesten Gestalten, sowie die mit den schrägsten Kostümen, sie waren jetzt alle da. Für die zahlreichen Fotografen im Fotograben damit eine Art Pflichttermin. Ich hingegen verweile nur, weil sich in meiner Gesellschaft ein bekennender Fan befand … also Bier rein und Kopf aus!

Bei GUTALAX am Rad zu drehen gehört zum guten Ton

Viel Bier macht viel Hunger – ich muss was essen!

So halten sich Bierpegel und Vitaminhaushalt die Waage

Das Essensangebot war wie immer vielfältig. Zu essen gab es, vom Festivalklassiker bis hin zur Saladbowl mit Falafel alles. Das angekündigte Nachhaltigkeitskonzept wurde flächendeckend umgesetzt. Ich schlenderte also an den zahlreichen Ständen vorbei, welche ausschließlich in plastikfreien Alternativverpackungen servierten. Diese sahen nicht nur deutlich edler aus, sie dienten vor allem einem guten Zweck. Schön zu sehen, dass sich der Veranstalter diesbezüglich zuvor so große Gedanken gemacht hat und dies auch erfolgreich umsetzte. Das „Handbrot“ benötigte zwar keine große Umverpackung, ich testete mich in den folgenden Tagen aber natürlich mit Freuden weiter durch das Angebot.

Nach ein paar gemütlichen Stunden im Camp und einer Runde über den Metalmarkt, ging es gut gelaunt zu ELECTRIC CALLBOY. Gar nicht so einfach sich noch einen guten Platz zu sichern, denn vor der Hauptbühne ist voll geworden. ELECTRIC CALLBOY betritt in Trainingsjacken und mit Perücke die Bühne. Bereits ab dem ersten Song „Pump it“ strömten eine Vielzahl von Crowdsurfern über die feiernde Menge und brachen am Ende den Rekord. Die Menge verfällt in völlige Ekstase, als zum letzen Song „We got the Moves“, ein überraschender Gast die Bühne betritt. Sebastian Pufpaff (TV Total) stürmt in Kutte, Schottenrock und Regenbogen-Crocs, die Bühne. Dort angekommen zeigt dieser erst mal jedem der es sehen, oder nicht sehen will, seinen Babyblauen Schlüpfer – nicht sehr true! Zum Glück steht eh ein Kleidungswechsel für die ganze Truppe an, denn zu „We got the moves“, rockt man am besten in weißen Westen mit Pilzkopf-Perücke.

ELECTRIC CALLBOY und Sebastian Pufpaff (rechts)

Mir reichte es langsam mit den wilden Tanzeinlagen und der leichten Ballermann Stimmung. Ich brauchte etwas Kontrast. Eigentlich nicht auf meiner persönlichen Running Order, aber der perfekte Gegensatz, sind CANNIBAL CORPSE. Bereits auf dem Weg zur T-Stage merkte ich schnell, dass es auch hier schwer wird noch einen Platz in den vorderen Rängen zu bekommen. Also weiter hinten, seitlich an einem Bierstand geparkt. Der Sound ist hier leider etwas verwaschen, reicht aber allemal um ohne Gehörschutz einen Tinnitus zu erleiden!

Wachgerüttelt, aber erschöpft von der Hitze, entschließe ich kurzerhand ARCH ENEMY gegen eine Dusche zu tauschen. Nachdem die Veranstalter zeitnah auf die katastrophalen Zustände an den Shit’n Shower Stationen reagiert hatten, war dies am Abend endlich zufriedenstellend möglich.

ARCH ENEMY

Eine Abkürzung, durch den Backstage Bereich nehmend, machte ich allerdings noch eine erfreuliche Entdeckung. Kurz hinter der Absperrung standen eine Reihe voller Müllcontainer. Das neue Müllkonzept, wurde zuvor angekündigt, unter dem Slogan „Less Trash, more Thrash“. An allen Shit’n Shower Stationen, sowie an den Mobiltoiletten standen Container, an denen man seinen Müll (getrennt nach Papier, Restmüll und gelbem Sack) abgeben konnte. Dass das Konzept gut angenommen wurde, konnte ich an den vollen Containern sehen. Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, dass darin Mitarbeiter standen, um die Säcke nach zu sortieren. Auch hier noch einmal Respekt für die konsequente Umsetzung!

Freitag, 19.08.2022

Von vielen Seiten wurde mir zugetragen, dass die erste Band der Mainstage in jedem Fall sehenswert sei. BLOODYWOOD, eine Band die traditionell indische Klänge in ihre Nu-Metal Songs mit einfließen lassen. Grundsätzlich offen für neues, machte ich mich recht früh auf den Weg, um meinen Horizont ein wenig zu erweitern. Ich, die ansonsten zugegeben kein Riesenfan von Bollywood ist. Unerwartet voll wurde es schnell, nachdem die Band ihre ersten Songs spielte. Klassische Instrumente der indischen Musik, sowie das gesamte Erscheinungsbild der Bandmitglieder, lassen einen kurz in die Klänge Südasiens eintauchen. Trommeln, Rapp, Gitarren, kurz gesagt, auf der Bühne passiert einfach viel. Der recht kurze Auftritt wirkt wie ein Red Bull am frühen Morgen – aufpushend!

BLOODYWOOD

Und dann … „It’s raining Cats and Dogs“!

Nass, viel zu nass und für mein empfinden auch viel zu kalt! Ich, die klugerweise im letzten Moment entschieden hatte, dass die kniehohen Gummistiefel bestimmt nicht notwendig seien, hätte sich in diesem Augenblick in den Allerwertesten beißen können. Durch den mittlerweile eingetroffenen Starkregen, waren nicht nur die Wege zwischen den Bühnen voller wadenhohem Matsch. Ebenso die unbefestigten Stellen vor den Bühnen verlangtem einem einiges an Körperkontrolle ab. Wenn man also seinen (selbstverständlich langen) Haaren nicht die volle Schlammkur gönnen wollte, musste man höllisch aufpassen, beim Headbangen nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Der ein oder andere entschied klugerweise, dass dies nach mehreren Tagen exzessivem Trinken ein unmögliches Unterfangen sei, und genoss ein pflegereiches Festivalschlammbad. Ich erkannte an, dass ein Schlammbad vermutlich die richtigen Inhaltsstoffe aufwies, um die von der Sonne ausgetrocknete Haut zu regenerieren, entschied mich dennoch dagegen.

Bunt VS. grau bei ORDEN OGAN

Nachdem ich meinen Alkoholpegel also überprüft und diesen für halbwegs gleichgewichtstauglich erklärt hatte, packte ich mich in einige wärmende Schichten sowie den Regenponcho und verbrachte die Zeit bis zur nächsten Band möglichst irgendwo unterstehend mit einem Bier!

Leider erhörte der Wettergott die vielen tanzenden Sonnenanbeter vor der Bühne nicht, sodass zum Start von ORDEN OGAN eine Schwimmweste vermutlich die sinnigste Bekleidung gewesen wäre.

Fast alle der zahlreich erschienenen Fangemeinde blieben bis zum Ende. Sichtlich erfreut, vielleicht auch etwas überrascht, bedankte sich Sänger Seeb bei der treuen Gefolgschaft.

ORDEN OGAN

Zumindest die Songs „Inferno“ und „Let The Fire Rain“ ließen einen kurz an wärmere Tage zurückdenken. Das Plätschern des Regens wurde sowieso durch die euphorisch springende Menge übertönt. Das interaktive Singspiel überfordert dann allerdings doch den einen oder anderen. Laut „Burn“ zu rufen, jedes Mal, nachdem Bassist Steven „Burn it Down“ ruft – dies aber nicht zu tun nach dem Einsatz von Sänger Seeb – ist am 4. Tag eines Metalfestivals einfach eine zu komplexe Aufgabe. Ich meine, ist ja auch schwer die beiden zu unterscheiden, die haben schließlich beide lange Haare!

Noch halbwegs fester Boden

Gut durchgefroren, musste ich im Zelt leider feststellen, dass der Nachmittag für mich gelaufen ist. Mein Zelt war fast vollständig voller Wasser gelaufen. Den Nachmittag verbrachte ich also damit, das Wasser aus meinem Zelt zu bekommen und zu retten was zu retten war. Bei den Wassermassen ging es vermutlich nicht nur meinem Zelt so! Wie sehr ich in diesem Augenblick doch den morgendlichen Saunagang vermisste!

Am Abend raffte ich mich nochmal auf. AMORPHIS spielten um 23:25 Uhr auf der Mainstage. Das Wetter unverändert, kostete es mich einiges an Überwindung – es hat sich wie immer gelohnt! Allerdings muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht bis zum Ende durchhielt. Das Set und die Show der Finnen war natürlich wie immer sehr stimmig. Auf dem Weg zu meinem Hausboot (Luftmatratze) hörte ich noch, wie sich AMORPHIS mit „House of Sleep“ verabschiedeten. Wie passend – Gute Nacht!

AMORPHIS

Samstag, 20.08.2022

Der letzte Tag des SUMMER BREEZE brach an. Zumindest am Morgen war es noch trocken. Da ab mittags bereits wieder Regen angesagt war, entschloss ich mich dazu bereits am Morgen alles abzubauen und ins Auto zu packen. Für uns sollte es bereits Samstagnacht zurück nach Hause gehen.

Schon allein der Weg zur Shit’n Shower/ Müllstation war durch den vielen Schlamm mehr als beschwerlich. „Nun gut, man kann nicht jeden Weg ausbessern, aber auf dem Infield wurde bestimmt Rindenmulch oder ähnliches auf die Fläche gefahren“, dachte ich noch – Fehlanzeige! Das Infield sah nach wie vor aus, wie der Austragungsort der internationalen Schlammcatch-Weltmeisterschaft! (Gibt es so was eigentlich? Direkt mal Googlen.). Bereits erschöpft vom Morgen, frustrierte mich die Situation vor Ort zunehmend.

Kurort SBOA – Moorpackung inklusive

Elegant!!! glitt ich also in Richtung Pressezelt, um an der Pressekonferenz der SUMMER BREEZE-Veranstalter teilzunehmen. Achim Ostertag erläuterte, dass es in den ganzen 25 Jahren SBOA noch nie Regenschauer mit 15 L/qm gegeben hatte und fragte freudig, ob die Anwesenden den Staub oder Schlamm bevorzugten. Die Mehrheit war sich einig – Schlamm! Für mich völlig unverständlich, wurde aber leider nicht näher über eine mögliche Wege-Aufbereitung gesprochen. Leider wurden die Gerüchte, dass es beim Crowdsurfen zu sexuellen Übergriffen gekommen war, bestätigt. Teilweise wurde diese zur Anzeige gebracht. Die große Drehbühne, konnte aufgrund des Brexits nicht erneut aus Großbritannien nach Deutschland importiert werden und für die Pain Stage fehlte es schlichtweg an Personal. Trotz der steigenden Besucherzahlen, werde das SBOA dem Standort Dinkelsbühl treu bleiben. Aufgrund der steigenden Kosten konnte man die Preise für das Jahr 2023 zu diesem Zeitpunkt noch nicht kalkulieren. Mittlerweile ist klar, dass die Preise für das Black Ticket/Green Camping derzeit (Preisstufe 2) bei 202,00 € liegen und die Preise somit wie erwartet gestiegen sind.

Crowdsurfing bei BLIND GUARDIAN

Es ging langsam Richtung letzter Festivalabend und für mich zur Mainstage zu BLIND GUARDIAN. Der deutsche Metalgigant spielte tatsächlich das erste Mal auf dem SUMMER BREEZE. Eigentlich als Freitags-Headliner geplant, baten die Krefelder selbst um eine Verschiebung, auf den Samstag. Der frühe Start, um 19:10 Uhr, noch bei Tageslicht, tat dem Auftritt aber keinen Abbruch. Wenn einer kein aufwendiges Bühnenbild oder eine spektakuläre Feuershow benötigt, dann sind es BLIND GUARDIAN, denn der sympathische Frontmann Hansi Kürsch und der Rest der Band reißen einen auch so schon genug mit. Außerdem war das Wetter in diesem Augenblick mehr als gnädig, denn es hatte endlich aufgehört zu regnen. Nach den ersten beiden Songs, dann die Ankündigung, dass die Setlist das gesamte Album „Somewhere far Beyond“ beinhaltet. Das brachte so einige an die Grenzen ihrer Stimme. Spätestens als die ersten Klänge von „The Bard’s Song“ erklangen, sang jeder mit. Die Reihen bis zu den Essensständen gefüllt, bekomme ich Gänsehaut. Das erste Mal bei diesem Festival nicht vor Kälte.

Zum Schluss „Valhalla“. Im Original natürlich grandios, mag ich aber auch sehr gerne die Version der anschließenden Band HEAVEN SHALL BURN. Ich hätte ich mir doch sehr zu dem Song einen Gastauftritt, von HEAVEN SHALL BURN Frontmann Marcus Bishoff, gewünscht. Man darf noch schließlich noch Träume haben!

HEAVEN SHALL BURN

Und dann ist es so weit, meine favorisierte und für mich auch letzte Band des SUMMER BREEZE 2022 – HEAVEN SHALL BURN.

Nach 40 Minuten Wartezeit betrat Frontmann Marcus die Bühne. Einige der eingefleischten BLIND GUARDIAN Fans standen nach wie vor zusammen und sangen unentwegt den Refrain des letzten Songs „Valhalla“. Diese Tatsache konnte natürlich auch Marcus nicht ignorieren und stieg kurzentschlossen mit in die Chorgesänge der Fans ein. Natürlich nicht als Cover, betonte der Frontmann extra nochmal, denn das wäre Blasphemie. Zur spontanen a cappella Version stiegen dann nun auch wieder alle mit ein.

Was so friedlich startete, endet wie zur erwarten war, in einer fulminanten und durchdachten Bühnenshow, mit zahlreichen Pyroeffekten. Gestartet mit „My Heart And The Ocean“ folgten Songs, wie „Übermacht“, „Black Tears“, „Endzeit“ und „Hunters Will Be Hunted“. Letztes begleitet durch ein Meer aus funkelnden Luftschlangen. Die zahlreichen Wall of Deaths und Circle Pits wurden nur noch durch die Menge an Crowdsurfern übertrumpft.

Für mich der perfekte Abschluss dieses Festivals … ich freue mich aufs nächste Jahr!

Fulminantes Ende bei HEAVEN SHALL BURN

Bericht: Annika Holte
Fotos: Michael Jagla / foto-jagla.de